Wilma Krull

Wilma Krull mit Puten an der Kunststätte o.J. (um 1932-38)

Wilma Krull (1896-1979) lebte an der Kunststätte ab 1929 50 Jahre lang an der Seite ihrer jüngeren Schwester Jutta Bossard. In dieser langen Zeit war sie die unermüdliche Betreuerin von Haus und Hof. Ihr großer Einsatz schaffte dem Ehepaar Bossard ausreichend Freiraum, um sich ganz der Kunst widmen zu können. 

Die kenntnisreiche Bewirtschaftung der Gartenanlage durch Wilma Krull hat es eigentlich erst möglich gemacht, dass der Künstler Bossard ein so gastfreundliches Haus führen konnte und genau daran – am großzügigen Leben im Gesamtkunstwerk – lag ihm viel. Bossards Programm der Selbstversorgung im Sinne der Lebensreform-Bewegung setzte Wilma Krull in ihrer Tätigkeit unauffällig, aber effektiv um und leistete so einen eigenen Beitrag zum Gelingen des Gesamtkunstwerkes.

Alle Haustiere – Hühner, Enten, Gänse, Puten, Schafe und sogar ein Schwein, und natürlich auch Hunde und Katzen – wurden von Wilma Krull versorgt. Zeitweise wurden auch Bienen gehalten und dabei profitierte Tante Ille – so wurde sie in der Familie genannt – besonders von dem naturkundlichen Wissen ihres Vaters, des Oberlehrers Ernst Krull, der seinen beiden Töchtern in allen Fragen des Gartenbaus, vor allem aber bei der Bienenzucht, mit Rat und Tat zur Seite stand.

Rezeptesammlung von Wilma Krull

Vor einem guten Jahr kehrte die handschriftliche Rezeptsammlung von Wilma Krull als Schenkung zurück an die Kunststätte Bossard. Es handelt sich um ein schlichtes, ca. 16 x 25 cm großes Heft, das aus Papierbögen selbst gefaltet und mit einem Faden geheftet wurde. Das einfache Heft, das in kleiner Schrift und mit engen Abständen beschrieben wurde, zeigt auch die Sparsamkeit, die Wilma Krull und Jutta Bossard im Haushalt ihrer Eltern erlernt hatten. An dieser Stelle wird jeweils ein Rezept aus dem Kochbuch veröffentlicht. 

 

Rezept Nr. 52: Zuckerkuchen

"Man nimmt ¾  Pfund Butter, ½ Pfund Zucker, 1 Pfund Mehl, 2 Löffel voll Wasser & knetet es tüchtig durch, wellt es aus und macht kleine Kuchenherzen und einen Schüsselkuchen und legt dann Eingemachtes darauf." 

Die „Kuchenherzen“ wurden also vorgebacken und später mit Kompott und vermutlich Sahne in einer Schüssel angerichtet. So hatte man etwas im Haus für Tage, an denen keine Zeit zum Backen war. Bestimmt hat Wilma Krull auch eine Prise Salz in den Teig gerührt. Angaben zur Backzeit hat Wilma Krull nicht notiert.