Johann Michael Bossard

Johann Bossard im Garten der Kunststätte, o.J (um 1930)
Johann Michael Bossard (1874-1950) wurde am 16.12.1874 in der Schweiz geboren, absolvierte eine Lehre als Hafner (Ofensetzer und Töpfer) und studierte anschließend in München Bildhauerei. 1897 zog er nach Berlin und schloss dort ein Malereistudium an. Nach einigen Jahren als freischaffender Künstler erhielt Bossard 1907 an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Hamburg eine Anstellung als Lehrer für Bildhauerei.
Bei einem Spaziergang in der Lüneburger Heide stieß der Künstler 1911 auf ein 3 Hektar großes Grundstück, das er spontan erwarb. 1913/14 ließ Bossard sich hier ein Wohn- und Atelierhaus errichten, das er – nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg – sukzessive zu einem Gesamtkunstwerk ausgestaltete. Er wollte alle Künste miteinander vereinen und einen alternativen Lebensstil führen, auch als Vorbild für andere Menschen. Mit seinem Gesamtkunstwerk wollte er eine neue, bessere Gesellschaft begründen.
1926 heiratete er die 29 Jahre jüngere Bildhauerin Jutta Krull, seine ehemalige Schülerin. Kurz nach der Eheschließung wurde der Kunsttempel errichtet. Um 1930 entstanden die zentralen künstlerischen Elemente der Gartenanlage: der Steinkreis mit Baumtempel, die Monolithenallee und der große Baumkreis. Bis 1935 wurde der Eddasaal im Wohn- und Atelierhaus vollendet.
Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler hoffte Johann Bossard, mit seinen Visionen einer neuen Gesellschaftsordnung einen Beitrag zum Aufbau Deutschlands leisten zu können. Er und seine engen Freunde versuchten, Funktionäre der NSDAP für das Gesamtkunstwerk in der Nordheide zu begeistern – letztlich ohne Erfolg. Im Spätsommer 1934 erkannte Bossard schließlich, dass seine gesellschaftsutopischen und künstlerischen Anliegen nicht mit denen der Nationalsozialisten kompatibel waren. Er zog sich weitestgehend aus dem öffentlichen Leben zurück. Weder er noch seine Frau traten der NSDAP bei.
Da Johann Bossard bis 1944 an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Hamburg arbeitete, blieben ihm für sein Gesamtkunstwerk lediglich die Wochenenden und die Ferien. Unter der Woche lebte der Künstler in einer Hamburger Mietwohnung. Nach seiner Pensionierung verlegte er seinen Wohnsitz dauerhaft auf sein Heideanwesen, wo er am 27.3.1950 verstarb.