Ein Kaffeeservice für die Kunststätte

Foto: Peter Backens, Hamburg

 

Die Hamburger Kunstgewerbeschule, an der Johann Bossard von 1907 bis 1944 die Bildhauer-Klassen unterrichtete, wurde nach ihrer Neuformation 1907 zu einem Experimentierfeld für künstlerische Keramik. Den Anstoß dafür gaben Johann Bossard und sein Kollege, der Bildhauer Richard Luksch. Beide besaßen viel Erfahrung mit Keramik; Johann Bossard hatte seinen Berufsweg sogar mit einer Ofenbauerlehre begonnen.

Die Künstler arbeiteten eng mit den jeweiligen Leitern der Keramikwerkstatt zusammen, die sich mit der Zubereitung von Massen, mit Brenntemperaturen und mit der Zusammensetzung von Glasuren und Farben hervorragend auskannten. Ab 1919 war dies Max Wünsche, dessen Tätigkeit an der Kunstgewerbeschule auch die Porzellanarbeiten Bossards beeinflusste. In dieser Zeit entstanden unter anderem zwei mit Masken geschmückte Fliesen der altnordischen Gottheiten Odin und Frigg. Sie befinden sich heute noch, allerdings in Keramik ausgeführt, in der Loggia des Wohn- und Atelierhauses; ebenso eine ovale Schale in Form eines Frauenkopfes sowie ein Kerzenleuchter, der einen weiblichen Akt darstellt. Bossard akzentuierte die weiße Glasur der Porzellane mit farbiger Bemalung, mal mit traditionell-gefälligen Mustern, mal mit kräftig-farbigen Zackenornamenten im Stil des Art déco.

Ab den 1930er Jahren entwarf Bossard die Formen bzw. Gefäße nicht mehr selbst, sondern bezog sie fertig von den Porzellanmanufakturen. Dabei war ihm bei der Wahl der Geschirre der Firmen Rosenthal, Thomas und Schönwald wichtig, dass sie eine einfache Form mit möglichst großer Malfläche hatten. Für sein Gesamtkunstwerk in der Lüneburger Heide hatte der Künstler 1935 ein Kaffeeservice der Marke Rosenthal bemalt, das für den Gebrauch bei besonderen Gelegenheiten gedacht war: Die Kaffeekanne ist beschriftet mit: „Dieses Service hat 42 Teile. Gemalt von JB 1935“. Figürliche Formen und geometrische Muster stehen hier nebeneinander, rostiges Rot und Schwarz werden kontrastreich eingesetzt. Wie bei den Innenräumen des Wohnhauses erstreckt sich die Bemalung über alle Flächen des Geschirrs mit Ausnahme der Innenwandungen.

Auch seine Schüler an der Kunstgewerbeschule inspirierte Bossard immer wieder zu Entwürfen für Geschirre und Gebrauchsgeräte. So stellte zum Beispiel Alwin Blaue in der Klasse des Künstlers ein Tintenzeug aus Porzellan – bestehend aus Tintenfass, Federschale und Löscher – her. Es steht heute auf dem Schreibtisch in der Wohndiele des Wohnhauses. Auch Jutta Bossard bemalte industriell gefertigte Geschirre. Ihrer Nichte Christa Schaal schenkte sie zur Konfirmation ein vollständiges Porzellanservice, das motivisch an die gemeinsam verbrachte Zeit in der Heide erinnerte. Dieses Service ist im Zuge der Museumsgründung 1997 als Schenkung der einst Beschenkten wieder an die Kunststätte zurückgekommen und im Schaumagazin des Museums zu sehen.