Büsten von Jutta Bossard-Krull

Von links nach rechts: Gerlinde Wohlthat (?), Kaja Borris, Helmgund Wohlthat, Christa Hebsaker, unbekannt, Gisela Wohlthat

Büsten von Jutta Bossard-Krull

Die künstlerische Entwicklung von Jutta Bossard-Krull war vor allem durch die Mitwirkung an dem Gesamtkunstwerk ihres Ehemanns Johann Michael Bossard geprägt.

Nur wenige Arbeiten der Bildhauerin, die ihre technischen Fähigkeiten bei Bossard an der Landeskunstschule in Hamburg erlernt hatte, sind außerhalb dieses Gestaltungsprozesses entstanden.

Zu ihnen gehört eine, sich in der Sammlung der Kunststätte befindliche, überschaubare Anzahl von plastisch modellierten, naturalistischen Porträts. Bis auf wenige Ausnahmen bestehen die Büsten aus Gips und unterscheiden sich vor allem durch ihre unterschiedliche Farbgebung, die von hellem Ocker über Terrakotta bis Blaugrün beziehungsweise Dunkelbraun reicht.

Jutta Bossard fand die Modelle für ihre Büsten im näheren Umfeld. So porträtierte sie zumeist gute Bekannte, Freunde und die eigene Familie.

Zu Lebzeiten Johann Bossards fertigte sie zum Beispiel Büsten seiner Mäzene Theo Offergeld und Helmuth Wohlthat an. Ob als Geschenk oder Gegenleistung für eine Geldspende gedacht, lässt sich dabei heute nicht mehr genau bestimmen. Auch von Wohlthats Töchtern Helmgund und Gisela existieren an der Kunststätte noch Modellbüsten. Das massive Tonmodell von Helmgund Wohlthat, das Jutta Bossard mit blaugrüner Farbe bemalt hat, ist in den 1990er Jahren von der Schwester Gerlinde Wohlthat an die Stiftung zurückgegeben worden, nachdem es über mehrere Jahrzehnte in dem Luftschutzkeller der Familie fast in Vergessenheit geraten war.

Von Jutta Bossards Familienangehörigen sind die Porträts ihrer Mutter Auguste Krull und ihrer Nichte Christa Schaal erhalten. Beide sind mit einem Terrakotta-Farbton bemalt, so auch die Büste von Gisela Wohlthat.

In den späten 1940er Jahren porträtierte Jutta Bossard auch ihren Ehemann. Seine Bronzebüste befindet sich im Eddasaal.

Nicht alle Gipsmodelle wurden automatisch in Bronze ausgeführt, sondern stattdessen lediglich mit Farbe versehen. Dies hatte vermutlich zweierlei Gründe: Zum einen wertete die Einfärbung des grauen Gipses das Material optisch auf beziehungsweise täuschte ein anderes vor. So konnte man bei einem dunkel bemalten Gipsmodell bereits die Wirkung des späteren Bronzegusses erahnen. Zum anderen wurde das Gipsmodell, das eigentlich nur eine Zwischenstufe zum fertigen Kunstwerk in Bronze darstellt, dadurch zum eigenständigen Kunstwerk. Die Kosten für die künstlerische Arbeit schrumpften hiermit auf ein Minimum.

Nach dem Tod von Johann Bossard nahm Jutta Bossard vermehrt Aufträge für Büsten an. Deren Erlöse verwendete sie für den Erhalt der Kunststätte. Vor allem die fünf Bronzebüsten und ein Bronzerelief einiger ärztlicher Direktoren und Chefärzte des Harburger Krankenhauses und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf brachten ihr Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahren zusätzliche Einnahmen ein. Diese Arbeiten gehören zu den wenigen Kunstwerken Jutta Bossards, die überhaupt jemals den Weg in einen (halb-)öffentlichen Raum gefunden haben und auch heute noch dort zu sehen sind.                                                                                                           Barbara Djassemi