Johann Bossard: Affenkopf

Johann Bossard: Affenkopf

Bei Betrachtung der Fassade des Kunsttempels fallen einem zahlreiche Plastiken auf, die Bossard im Zuge des Tempelbaus geschaffen und in die Fassade eingesetzt hat. Zu sehen sind Menschen und Fratzen, aber auch Tiere.

Auf der Westseite ist auf mittlerer Höhe ein Affenkopf zu erkennen. Der Affe hat seinen Mund weit aufgerissen, sodass sein großes Gebiss mit den scharfen Eckzähnen sichtbar wird. Seine Augen sind weit geöffnet. Prägnant sind auch seine dicken, buschigen Augenbrauen.

Wer sich als Besucher genauer an der Kunststätte umschaut, wird an vielen Stellen das Motiv des Affen entdecken. Im Musikzimmer, im Wintergarten sowie im Kunsttempel sind weitere seiner Art zu finden. Der Affe steht hierbei in Verbindung zu den Tieren Adler, Stier und Löwe, die vier apokalyptischen Wesen oder auch Symbole der Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die so seit dem vierten Jahrhundert dargestellt werden. Das Symbol des Matthäus ist allerdings ursprünglich ein Mensch und kein Affe. Bossard hat bei all diesen Darstellungen den Menschen durch den Affen ersetzt.

Der Künstler Johann Bossard wurde zu der Zeit geboren, in der Charles Darwin seine berühmte Evolutionstheorie veröffentlichte. Die Vorstellung, dass Mensch und Affe gemeinsame Vorfahren gehabt hätten und sich durch Mutationen besser an ihren Lebensraum anpassen und sich somit weiterentwickelt hätten, war damals radikal und neu. Viele Menschen glaubten damals nicht an die Evolutionstheorie, da die Religion und somit auch die Lehre, dass der Mensch von Gott geschaffen wurde, fest in der Gesellschaft verankert war. Andere wiederum glaubten der Theorie. Ob Johann Bossard Anhänger des Darwinismus war, ist nicht belegt, er hat sich aber (über Publikationen des in Deutschland sehr beliebten Mediziners Ernst Haeckel) mit der Evolutionstheorie auseinandergesetzt. Der Affenkopf kann also als Anspielung darauf verstanden werden.

Bei genauerem Hinsehen des Architekturelements, in das der Affenkopf eingesetzt ist, können Sie noch weitere Symboltiere der Evangelisten erkennen.

Wer sich die vielen phantasievollen Bauplastiken des Kunsttempels noch einmal in Ruhe ansehen möchte, sollte im Juni noch einmal an die Kunststätte kommen, da in Kürze die Sanierung des Gebäudes beginnt und die Fassade durch ein Gerüst verdeckt sein wird.