Vorbau zum Kunsttempel, 1936

Der Tempelvorbau befindet sich an der Nordseite des Kunsttempels und dient als Vorhalle oder Eingangsraum zum Inneren des Tempels. Durch seine aufstrebende Komposition und die Fassade aus verformten Klinkern (Fehlbränden) gleicht sich der Vorbau dem Hauptteil des Tempels an.

Eine Besonderheit an diesem Gebäude ist, dass der Vorbau im Vergleich zu den restlichen Gebäuden in kompletter Eigenleistung von Johann Bossard, seiner Ehefrau Jutta Bossard, seinem Schwiegervater Ernst Krull und seinem Schüler Franz Hötterges erbaut wurde. Außerdem ist er das letzte Gebäude an der Kunststätte Bossard, welches von Johann Bossard geplant und errichtet wurde.

Die Front des Vorbaus ist in Richtung Norden gerichtet und führt nach dem Austreten aus dem Tempel zu der Skulpturengruppe „Die vier Jahreszeiten“, welche den Besucher in einer kreisförmigen Anordnung empfangen. Die Front besteht hauptsächlich aus einem Bronzetor. Dahinter befindet sich eine weiteres Tor mit einem aufwendig gestaltetem Türrahmen mit verschiedenen Figuren aus Keramik, die, so Johann Bossard, die „verwirrende Fülle des auf und absteigenden Lebens“ darstellen sollen. Beide Portale sind figürlich als Reliefs gestaltet.

Zu Lebzeiten der Bossards traten die Besucherinnen und Besucher durch das Doppelportal in den Vorbau; heute wird aus konservatorischen Gründen der kleine Seiteneingang benutzt. In diesem trifft man auf die „Träumende“ (Steinguss von Jutta Bossard, 1931).

Die Fassade des Vorbaus besteht aus unterschiedlichen, senkrecht angeordneten Modulen. Die Westseite ist besonders aufwendig mit verschiedenen, blauweiß glasierten Keramiken verziert. Es werden hauptsächlich menschliche Figuren und vor allem Köpfe dargestellt, welche die verschiedensten Emotionen zeigen. Dies ist typisch für die Zeit des Expressionismus. Der Rest der Fassade besteht hauptsächlich aus einfach gemauerten Klinkersteinen, zwischen denen kleine Figuren oder auch einfache Muster eingelassen sind.Im Vergleich zum Rest des Tempels erscheint der Vorbau (trotz der vorhandenen Fenster) dunkel, so dass die Farben und das Licht im Herzstück des Tempels deutlich intensiver wirken.