Johann Bossard: Bildnis Dr. Emil Hegg

Bildnis Dr. Emil Hegg, Öl auf Leinwand, 57 x 45,5 cm, Anfang der 1930er Jahre

Bossards expressionistisches Gemälde zeigt das Brustbildnis von Dr. Emil Hegg. Der im Halbprofil Dargestellte blickt konzentriert nach rechts. Das feine Farbenspiel auf dem Gesicht wird am Körper und Bildhintergrund mit einer kräftigeren und breiteren Strichführung fortgesetzt und hebt so das Gesicht aus der farbenreichen Fläche hervor. Der Duktus verweist auf eine Entstehung Anfang der 1930er Jahren. Das Bild ist signiert mit „JB“ und den bei Bossard üblichen drei Punkten.

Der Schweizer Augenarzt und Dozent für Augenheilkunde Dr. Emil Hegg (1864-1955) war 1906 durch eine Ausstellung in Bern auf Bossard aufmerksam geworden. Im Februar 1907 suchte er ersten brieflichen Kontakt zum Künstler. Bald wurde Hegg nicht nur der Augenarzt Bossards, dem er 1913 ein Glasauge an Stelle des erblindeten rechten Auges implantierte, sondern auch ein lebenslanger, enger Freund. Bis 1935 besuchte er den Künstler fast jährlich in der Heide und verfolgte interessiert den Ausbau des Gesamtkunstwerks. In der Folge hielten ihn gesundheitliche und finanzielle Gründe sowie später der Zweite Weltkrieg von weiteren Reisen nach Jesteburg ab. Doch in einem intensiven Briefwechsel tauschten sich die beiden Freunde über die künstlerische Entwicklung Bossards, ihren Lebensalltag sowie das allgemeine politische und gesellschaftliche Geschehen aus.

Mit großem Engagement setzte sich Hegg für die Förderung Bossards ein. Er verstand es, Bossard in ihrer gemeinsamen Heimat, der Schweiz, immer wieder ins Gespräch zu bringen. Er knüpfte für Bossard wichtige Kontakte zu Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur, machte Bossard auf Ausschreibungen aufmerksam und organisierte Einzelausstellungen. In seiner Villa in Rüfenacht präsentierte er gerne ausgewählten Gästen seine eigene Bossard-Sammlung und warb für dessen Kunst. Er hielt öffentliche Vorträge, verfasste mehrere Artikel, eine ausführliche Gegenüberstellung von Bossard und Ferdinand Hodler, dem Nationalkünstler der Schweiz, sowie eine posthume Biografie Bossards, die – aufgrund seines eigenen Ablebens – nicht mehr publiziert werden konnte.

2008 konnte das Gemälde mithilfe eines Spendenaufrufs des Freundeskreises von den Erben der Familie Hegg erworben werden. Seither ist es wichtiger Teil der Dauerausstellung, gehört es doch zu den besten expressionistischen Bildnissen Bossards und stellt zugleich seinen bedeutendsten Förderer und Freund vor.

Villa Hegg, Rüfenacht, mit Bossard-Werken, um / nach 1927

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