Jutta Bossard: Büste Theo Offergeld

um 1933, getönte Gips, H. 35 cm, B. 18 cm, Inv.-Nr. JB 2235

Der Bossard Förderer Helmuth Wohlthat zeigte 1925 seinem Freund und ehemaligen Regimentskamerad Theo Offergeld (1896–1972) einige Grafiken des Künstlers Johann Michael Bossard. Offergeld zeigte sich von der Betrachtung so begeistert, dass er sich umgehend an den Künstler wandte. Er bat ihn sich an einem Wettbewerb um ein Ehrenmal für die Gefallen des Ersten Weltkriegs in seinem Wohnort Andernach zu beteiligen. Trotz umfangreicher Bemühungen von Seiten Offergelds wurde der Auftrag zwar nicht an den Künstler vergeben, Bossard gewann aber einen seiner leidenschaftlichsten Förderer. Der Malzfabrikant Offergeld legte eine umfassende Werksammlung des Künstlers an und gestaltete sein Wohnhaus mit dessen Werken. Im Zuge eines Umbaus 1926 setzte er sogar die Hängung der Gemälde nach Bossards Anweisung um. In den Jahren der Weimarer Republik und bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kam Offergeld mit seiner Familie fast jährlich zu mehrtägigen Heidebesuchen an die Kunststätte. Im Heidedomizil fand die Mäzenatenfamilie in der Natur Erholung vom beruflichen Alltag und dem Leben in der Großstadt. Während eines Besuches in der Heide modellierte die Bildhauerin Jutta Bossard, geb. Krull, um 1933 das Gipsmodell einer Büste Offergelds, der in der Gartenanlage für sie posierte. Es lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen, ob es sich bei der Büste um eine Auftragsarbeit oder ein Geschenk der Bossards an den Förderer handelte.

Offergeld leistete einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Ermöglichung von Bossards Vision eines Kunsttempels und Gesamtkunstwerkes. Im November 1925 unternahm Offergeld mit Wohlthat sogar eine Werbereise nach München über Frankfurt mit der Absicht Geldgeber für den Tempelbau zu gewinnen. Beide Förderer erklärten sich im August 1926 bereit, jeweils 5.000 Reichsmark zu spenden, sodass der Bau im Oktober 1926 begonnen werden konnte. Im Bauverlauf stellten sie weitere Geld- und Materialspenden zur Verfügung. Im Dezember 1925 versucht Offergeld einmal schriftlich die Bedeutung von Bossards Kunst für sich in Worte zu fassen: “Was mich angeht, so glaube ich Ihnen schon einmal angedeutet zu haben, wie leer und inhaltsleer ich die Jahre seit dem Krieg empfunden hatte. […] In der Welt des Negativen, der Gleichgültigkeit, glaube ich etwas Positives erkannt zu haben. Heute könnte ich Ihnen wohl noch nicht theoretisch auseinandersetzen, was mich mit Ihnen verbindet. Stärker, als Ihre Kunst, kann es vielleicht die durch Ihre Kunst zum Ausdruck gebrachte Philosophie sein.“ (Brief von Theo Offergeld an Johann Bossard vom 12.12.1925, AJB 175)

Die Verbundenheit Offergelds zu Johann Bossards Kunst überdauerte die nationalsozialistische Diktatur sowie den Zweiten Weltkrieg und reichte über den Tod des Künstlers im Jahr 1950 hinaus. Offergeld unterstützte finanziell Bossards Witwe Jutta Bossard bei dringenden Restaurationsarbeiten zum Erhalt des Gesamtkunstwerkes.

Neuste Forschungsergebnisse werden im Dezember 2018 anlässlich der Ausstellung „Über dem Abgrund des Nichts“. Die Bossards in der Zeit des Nationalsozialismus veröffentlicht.

 

Foto: Backens

Zurück